CMS Berlin 2025: Robotik nach dem Hype

Von Alexander Feil

Auf der CMS Berlin 2025 (23.–26. September) wurde nicht mehr über Reinigungsroboter diskutiert – sie wurden als gegeben vorausgesetzt. Im Vergleich zu vor zwei Jahren hat sich die Stimmung vonder Frage „ Werden Roboter eine Rolle spielen? “ hin zu„Wie lassen sie sich skalieren, integrieren und wie bewähren sie sich in der chaotischen Realität?“ verschoben. An den Ständen drehten sich die Fragen um Flottenkalibrierung, Betriebszeit, Ausnahmebehandlung und Service-Design. Der Fokus verlagerte sich von generischen Bodenreinigungsmaschinen hin zu kniffligen Sonderfällen.

Der „Bathroom Moment“: HYTRON zieht die Massen an

Das am häufigsten gefilmte Demo war kein weiteres Standgerät – es war ein Reinigungsroboter für Bad und Toilette. Primech (Primech/Primech AI) zeigte HYTRON Die wiederholte Reinigung von Toiletten, Waschbecken und Spiegeln mit automatischem Bürstenwechsel und präziser Navigation in Nassräumen. Genau das ist die Art von „Last-Mile“-Aufgabe, die früher als zu unregelmäßig für die Automatisierung abgetan wurde – und genau deshalb standen die Besucher Schlange. CMS selbst hob HYTRON in seinem täglichen Update hervor und stellte die Live-Demos sowie den 3D-Sensoransatz des Unternehmens in den Vordergrund.

 

Vertikale Lösungen werden realisierbar: Die Fassadenreinigungsdrohne von KTV

Ein weiterer Publikumsmagnet befand sich über dem Boden. KTV Working Drone führte an Halle 4 regelmäßig Vorführungen zur Fassadenreinigung durch: eine am Boden gesteuerte, an einem Seil befestigte Drohne, die Fenster und Mauerwerk aus der Höhe besprühte – eine riskante, repetitive Arbeit, die nach einem sichereren robotergestützten Arbeitsablauf verlangt. In den Notizen von CMS zum zweiten Tag stand dies im Mittelpunkt; auch KTV hatte seine Teilnahme bereits vor der Messe angekündigt. Zusammengenommen signalisiert dies, dass vertikale Oberflächen den Sprung vom Konzeptvideo zur operativen Vorführung schaffen.

 

Von der Verbraucher-DNA zum Profi: Ecovacs betritt die Bühne

Ecovacs Commercial feierte auf der CMS Berlin sein offizielles Debüt und stellte professionelle Varianten vor, die auf dem Know-how des Unternehmens in den Bereichen Navigation und Software sowie auf der Erfahrung mit Selbstbedienungsstationen aus dem Consumer-Bereich basieren. Im Mittelpunkt standen dabei Robustheit und Praxistauglichkeit statt Neuartigkeit – ganz im Einklang mit dem allgemeinen Tenor der Messe.

 

Eine europäische Nebenhandlung: Adlatus × Neura (das sollte man im Auge behalten)

Gegen Ende der Podiumsdiskussion gab es eine Überraschung: Adlatus und Neura kündigten eine strategische Partnerschaft an und traten zum ersten Mal gemeinsam auf der CMS auf. Zwar gab es keine Vorträge zu Fusionen und Übernahmen, doch die Zusammenarbeit signalisiert eine europäische Tendenz hin zu enger verzahnten Hardware-plus-kognitiven Systemen. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wäre dies ein bedeutender Schritt in Richtung Konsolidierung im Bereich der Reinigungsrobotik in der EU.

Kurze Anmerkung: „Thermische Reinigung“ kommt ins Spiel

Was die technologische Seite betrifft, tauchte in den Werbebotschaften und Vorführungen die Warmwasserreinigung auf – dabei wird das Wasser auf etwa 80 °C erhitzt, um die Fleckenentfernung zu verbessern. Ob nun als „Thermalreinigung“ oder ähnlich vermarktet – das Versprechen ist einfach: Es geht um mehr Wirksamkeit, nicht nur um eine bessere Abdeckung. Es ist zu erwarten, dass in Pilotprojekten untersucht wird, wann Wärme die Chemie übertrumpft (oder deren Einsatz reduziert).

 

Was hat sich seit dem letzten CMS tatsächlich geändert?


1) Von der Pilotanlage bis zur Verfahrenstechnik.

Vor zwei Jahren drehten sich die Debatten um die Machbarkeit; in diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Koordination: wiederholbare Bereitstellungen an vielen Standorten, mit dokumentierten Übergaben zwischen Mensch und Maschine sowie klaren Ausweichlösungen für den Fall, dass die Autonomie versagt. Die wichtigsten Diskussionsthemen: Kalibrierungsstandards, Ausnahmetaxonomien und Service-SLAs, die Roboter einbeziehen. (Das ließ sich an den Fragen erkennen.)

2) Grenzfälle bestimmen nun die Grenze.

Böden sind „ein Muss“. Der Fokus hat sich auf Nassräume, vertikale Flächen und komplexe Geometrien verlagert – Badezimmer mit Armaturen und engen Kabinen; Fassaden, Solaranlagen, Dächer. Dort zückten die Besucher ihre Handys und bildeten Warteschlangen. Die Autonomie von Badezimmern und Drohnenfassaden sind die neuen Beweise.

3) Die Produktgeschichte tritt in den Hintergrund; die Integrationsgeschichte rückt in den Vordergrund.

Anstelle von spektakulären Produktvorstellungen setzten die Anbieter auf Softwarezuverlässigkeit, Selbstdiagnose, Workflow-Integration und Flottenmanagement-Tools. Der Markt ähnelt weniger einer Gadget-Welt als vielmehr einer B2B-Infrastruktur: weniger spektakuläre Momente, dafür mehr Gespräche über APIs, Daten und Wartungslogistik.

4) Anzeichen einer Konsolidierung, kein Feuerwerk.

Die Zusammenarbeit zwischen Adlatus und Neura wirkt wie ein Meilenstein auf dem Weg zu einer stärkeren vertikalen Integration in Europa. Es handelt sich nicht um eine Übernahme – zumindest noch nicht –, doch die Richtung ist klar: die Verbindung eines etablierten Unternehmens aus der Reinigungsbranche mit einem Spezialisten für kognitive Robotik. Sollte sich diese Allianz festigen, wird sie Einfluss darauf haben, wer die De-facto-Standards für Wahrnehmung, Sicherheit und Flottenverhalten setzt.

5) Die Wirksamkeit steht wieder im Mittelpunkt.

Funktionen wie die Reinigung mit heißem Wasser haben die Diskussion von der Frage „Fährt es autonom?“ hin zu „Reinigt es besser?“ verlagert. Das ist gut so: Nicht nur die Autonomie, sondern die Ergebnisse sollten darüber entscheiden, welche Modelle in ihrer Kategorie die Nase vorn haben.

6) Das Jahr 2026 wird eher schrittweise verlaufen – aber dennoch wichtig sein.

In den Gesprächen auf der Messe wurde angedeutet, dass für den nächsten Interclean-Zyklus neue Modelle geplant sind, doch erwarten Sie keine radikalen Neuerungen. Zu erwarten sind hingegen: leistungsfähigere Badmodule (austauschbare Werkzeuge, bessere Sichtbarkeit in reflektierenden/nassen Umgebungen), ausgereiftere Arbeitsabläufe für vertikale Flächen (Drohnen/Portalkrane) sowie eine stabilere API-/Telemetrie-Integration zwischen Flottenmanagern und Facility-Management-Systemen.

© Messe Berlin GmbH

Fazit

Die CMS Berlin 2025 war ein Barometer, kein Feuerwerk. Die Branche hat die Phase hinter sich gelassen, in der sie beweisen musste, dass Roboter reinigen können. Jetzt geht es darum, die Skalierbarkeit sicherzustellen, Sonderfälle zu lösen und die Wirksamkeit zu messen. Badezimmer und Fassaden standen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, da sie die letzten großen Herausforderungen darstellen. Partnerschaften wie Adlatus × Neura deuten auf einen europäischen Wandel hin zu integrierten Stacks hin; Ecovacs zeigt, wie die DNA des Verbrauchermarktes in die Zuverlässigkeit für den professionellen Einsatz übergeht. Und kleine, aber aussagekräftige Technologien wie die thermische Reinigung erinnern alle daran, dass Leistung immer noch wichtiger ist als das Theater um Autonomie. Die Zeit des Hypes ist vorbei; die Zeit des Handelns hat begonnen.