Wer hat Angst vor der Robotik?

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Seit Jahrzehnten arbeiten Hersteller, Händler und FM-Dienstleister in einem bewährten Dreierverbund zusammen: Die Hersteller entwickeln und produzieren Reinigungsgeräte, die Händler vertreiben diese in enger regionaler Zusammenarbeit, und die Dienstleister setzen sie bei den Endkunden ein. Dieses Konstrukt ist stabil, vertraut und basiert auf langjährigen persönlichen Beziehungen. Mit der Einführung von Robotik in der Reinigungsbranche wächst jedoch in allen Teilen dieser Kette die Angst vor Veränderungen.

Druck auf die Hersteller

Ein zentraler Aspekt der Angst vor dem Wandel ist der strategische Druck, dem etablierte Hersteller ausgesetzt sind. Viele von ihnen haben Jahrzehnte in die Perfektionierung ihrer Produkte investiert. Die Vorstellung, dass Roboter dieses jahrzehntelange Know-how in nur wenigen Jahren in Frage stellen könnten, ist eine Quelle der Unsicherheit. Oft hört man Aussagen wie: „Robotik wird den Menschen nicht ersetzen“ oder „Der Markt ist noch nicht bereit für solche Technologien.“ Diese Aussagen sind jedoch weniger Ausdruck von Realismus als vielmehr ein Zeichen von Angst vor dem Wandel. Technologisch gesehen ist die Reinigung bereits bereit für die Automatisierung – die Umsetzung ist jedoch eine Herausforderung.

Die Hersteller spüren diesen Druck, insbesondere durch neue Akteure auf ausländischen Märkten. Robotikunternehmen, die ursprünglich nichts mit der Reinigungsbranche zu tun hatten, drängen auf den Markt. Sie bringen nicht nur technologisches Know-how mit, sondern auch massive Investitionen von internationalen Investoren. Diese finanzielle Unterstützung ermöglicht es ihnen, massiv in Vertrieb und Marketing zu investieren, was ein Bild vermittelt, das den Fortschritt in der Robotik erheblich verzerrt.

Druck auf die Händler

Auch die Robotik stellt eine Bedrohung für regionale Händler dar. Bislang haben sie die Rolle von Beratern und Dienstleistern übernommen, ihren FM-Kunden die neuesten Innovationen vorgestellt und ihnen bei der Auswahl der richtigen Reinigungsgeräte geholfen. Die Einführung von Reinigungsrobotern verändert dieses Geschäft jedoch. Roboter erfordern viel Beratung und Wartung und verlangen einen neuen Ansatz in Vertrieb und Service. Zudem ist das Robotikgeschäft für viele Händler noch kein wesentlicher Umsatzbringer. Wie in der Branche oft zu hören ist, stehen viele Roboter „in der Ecke und verstauben“. Die anfängliche Euphorie über die Exklusivverträge mit neuen Herstellern ist abgeklungen, und viele Händler haben erkannt, dass Robotik – zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt – mehr Aufwand als Gewinn bedeutet. Während einige innovative Händler versuchen, sich als Robotikspezialisten zu positionieren, bleiben die meisten skeptisch.

Druck auf FM-Dienstleister

Wie im Abschnitt „Branchenstimmung“ beschrieben, befindet sich die Branche derzeit in einer Erkundungsphase. FM-Dienstleister müssen dringend Fachwissen im Bereich Robotik aufbauen, um ihren Kunden auch in Zukunft das gesamte Spektrum an Facility-Management-Dienstleistungen aus einer Hand anbieten zu können. Auf absehbare Zeit werden Endkunden nicht mehr als Pilotkunden zur Verfügung stehen wollen, sondern von der Automatisierung profitieren.

Was unsere Ergebnisse und Untersuchungen nahelegen

1. FM-Dienstleister bleiben unersetzlich
Das Know-how für den effizienten Einsatz von Robotik wird derzeit weltweit entwickelt, insbesondere von Reinigungsdienstleistern. Der Kauf von Hardware allein reicht nicht aus. Erforderlich sind umfassende Kenntnisse über geeignete Reinigungsmittel, die Fähigkeit, ganzheitliche Reinigungskonzepte zu entwickeln, sowie Kenntnisse der regionalen Vorschriften. Dies sind Bereiche, in denen Facility-Management-Unternehmen seit jeher zu Hause sind. Unser Ranking und unsere Untersuchungen stützen nicht die Befürchtung, dass Händler und Endkunden den FM-Dienstleister umgehen könnten. Eine eigenständige Investition in Robotik ist nur für Endkunden mit eigener FM-Organisation sinnvoll, wie beispielsweise Hotelgruppen, die ihre Zimmer mit eigenem Personal reinigen lassen und Robotik einsetzen möchten, um diese bei ihren Aufgaben zu unterstützen.

2. Händler bleiben vorerstim Sattel
Händlerunternehmen, die seit Jahrzehnten in der Reinigungsbranche etabliert sind, bleiben für ihre Kunden die erste Anlaufstelle, wenn es um Robotik geht. Es wird entscheidend sein, diesen individuellen Vorteil zu bewahren und kompetente Antworten auf die Fragen der Kunden zur Automatisierung geben zu können. Ein besonderer Umstand hilft dabei: Die guten regionalen Netzwerke und die perfekte Kenntnis ihrer jeweiligen Märkte machen etablierte Händler besonders für ausländische Robotikhersteller hochinteressant. Diese Hersteller sind auf die Glaubwürdigkeit der Händler angewiesen, um ihren Absatz in ausländischen Märkten zu steigern. Eines ist klar: Full-Service-Anbieter sollten darauf achten, dass Wettbewerber keine offene „Robotik-Flanke“ nutzen, um ihr gesamtes Sortiment zu präsentieren.

3. Die Robotik sorgt für Aufsehen
Es gibt keinen Grund zur Angst, aber es lässt sich nicht leugnen: Die Robotik sorgtauf dem Markt füreiniges Aufsehen. Reinigungsunternehmen gründen plötzlich spezialisierte Einzelhandelsunternehmen (wie die Wackler Service Group in Deutschland). Andere investieren sogar in Robotikhersteller (Reiwag in LionsBot). SoftBank Robotics Singapore geht den umgekehrten Weg und übernimmt Millennium in Australien. Zwei Hersteller, LionsBot und Nilfisk, bringen einen gemeinsamen Roboter auf den Markt. Es tut sich was.

4. Neue Hersteller aus anderen Branchen drängen auf den Markt
Lange Zeit war die Reinigungsrobotik ein vernachlässigtes Feld. Das Hauptaugenmerk lag auf anderen Bereichen, wie beispielsweise der Intralogistik. In letzter Zeit hat sich jedoch gezeigt, dass insbesondere Hersteller aus China plötzlich das größte Potenzial in der Reinigungsrobotik sehen, um auf westlichen Märkten Fuß zu fassen. Das beste Beispiel dafür sind die Lieferroboter-Experten von PUDU. Mit ihrem kompakten PUDU CC1 haben sie der Branche den Kampf angesagt. Gleiches gilt für Keenon, das sein Angebot an Reinigungsrobotern aktualisiert und erweitert. Eine Verlangsamung der Entwicklung? Nicht in Sicht.

5. Automatisierung als Bestandteil von Ausschreibungen
Der große Durchbruch mag zwar erst später kommen, doch Immobilienmanager erwarten von ihren Dienstleistern, dass sie in Sachen Robotik am Ball bleiben. Auch wenn der tatsächliche Einsatz von Robotik immer weiter in die Zukunft verschoben wird, ist er heute oft bereits Bestandteil von Ausschreibungen.

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